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Essay schreiben: In 9 + 1 Schritten zum perfekten Text

Ob im Studium oder in der Schule – an einem Essay kommst du während einer akademischen Laufbahn nur selten vorbei. Zwar hast du bei dieser Textsorte viele Freiheiten, doch für einen gelungenen Essay gibt es Einiges zu beachten. Wir erklären dir, wie du dein Thema findest, welche Elemente enthalten sein müssen und mit welchen Stilmitteln du deine Argumente verstärken kannst.

Inhalt

Der Essay – eine Textsorte mit vielen Freiheiten

Ein Essay bietet viele Freiheiten

Das Wort Essay hat verschiedene Ursprünge. Es lässt sich aus dem Französischen „essai“ oder „essayer“, dem Spanischen „ensayo“ und dem Italienischen „saggio“ herleiten. Die Übersetzung dieser Wörter ist je nach Kontext versuchen, prüfen oder beurteilen. Einen Essay bezeichnet man auch als Denkversuch. Zum ersten Mal kommen Schüler in der Oberstufe, also in ihren letzten Schuljahren mit dieser Textgattung in Kontakt. In manchen Bundesländern gibt es die Möglichkeit, in der Abiturprüfung im Fach Deutsch einen Essay zu einem vorgegebenen Thema zu verfassen. Je nach Studienfach an der Universität ist es üblich, dass Studierende den ein oder anderen Essay schreiben müssen. Die formalen Bedingungen sind jeweils verschieden. In der Schule hat ein Essay meist bis zu fünf Seiten, an der Uni sollte der Essay teilweise sogar zehn Seiten haben.

Der Autor hat beim Essay in der Regel große Freiheiten. Im Gegensatz zu einer Hausarbeit musst du nicht zeigen, dass du wissenschaftlich korrekt arbeiten kannst. Ein Essay ist eine geistreiche Abhandlung, in der Phänomene aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft betrachtet werden. Zu vergleichen ist diese Textsorte mit einer Kolumne und den journalistischen Textsorten wie Glosse oder Kommentar.

Literarisches Essay vs. erklärendes Essay

Es gibt generell zwei Arten von Essays. Beim literarischen Essay bist du vollkommen frei. Du solltest lediglich das gewählte Thema des Essays aus verschiedenen Perspektiven betrachten und deine Gedanken vor den Augen des Lesers entwickeln. Bei einem erklärenden Essay, der meist an Unis und in der Schule üblich ist, solltest du das gewählte Thema reflektieren, deine eigene Perspektive herausarbeiten und Stellung beziehen. Du bringst hauptsächlich deine Ideen, Argumente und Überlegungen ein. Es ist wichtig, im Essay nicht nur die Positionen anderer wiederzugeben. In Essays findet man daher eher wenige bis keine Zitate.

Durch das Verfassen eines Essays lernst du, aus anderen Meinungen und Sachverhalten eigene Ideen zu entwickeln. Manchmal stehen nur wenige Informationen zum Thema bei der Verfassung zur Verfügung, sodass du dich davon inspirieren lassen und deine eigenen Argumente herleiten musst. Du lernst zudem, auch wissenschaftliche Positionen, die du dir bei der vorhergehenden Literaturrecherche aneignest, zu bewerten. Darüber hinaus kann das Schreiben eines Essays hilfreich sein, eine präzise und verständliche Ausdrucksweise zu entwickeln und deine Argumente anschaulich darzulegen. Diese Fähigkeiten zu beherrschen, ist in späteren Lebenslagen sehr wichtig. Beispielsweise, wenn du in deinem zukünftigen Beruf ein Gutachten oder nach einem Unfall eine Stellungnahme schreiben musst.

Sprache

Sprachlich wenig formalisiert: Der Essay

Ein Essay ist nicht so formal wie eine Hausarbeit. Selbst bei einem Essay für die Uni hast du viele stilistische Freiheiten, die du nach Möglichkeit nutzen solltest. Um damit nicht zu übertreiben solltest du im Vorfeld absprechen, welche stilistischen Freiheiten du hast.

Natürlich muss die Sprache authentisch sein und zum Thema passen. Zu Beginn kannst du dir überlegen, auf welcher Ebene du schreiben willst. Eher lässig oder förmlich? Eher gesprochen oder geschrieben? Auch zwischen den Ebenen während des Essays zu wechseln, ist ein Stilmittel. Wenn du die Sprachebene an gewissen Stellen änderst, kann das deine Argumentation verdeutlichen oder verstärken.

Generell gilt, dass Stilmittel helfen, deine Argumente zu verdeutlichen. Daher solltest du sie an passenden Stellen einsetzen, beispielsweise wenn du die Bedeutung eines Punktes verstärken möchtest. Manche Stilmittel nimmt der Leser eher unbewusst auf, dennoch zeigen sie Wirkung. Du solltest die Stilmittel eher sparsam einsetzen. Sonst kann der Eindruck beim Leser entstehen, dass du nicht authentisch schreibst. Somit verliert dein Text an Glaubwürdigkeit. Am Anfang ist es vermutlich noch schwer einzuschätzen, ob die Stilmittel passend eingesetzt werden, doch wer schon einige Essays geschrieben hat, bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür.

Stil

Auch die Wortwahl und der Satzbau sind entscheidend, wie deine Argumente beim Leser ankommen. Du kannst beispielsweise mit Diminutiven arbeiten. Das sind Verniedlichungsformen wie „Entlein“ statt „Ente“ oder „Städtchen“ statt „Stadt“. Manchmal bietet es sich auch an, Euphemismen oder Dyphemismen zu nutzen. Das bedeutet, beschönigende oder abwertende Umschreibungen für ein Wort zu wählen. Ein Euphemismus ist zum Beispiel „entschlafen“ statt „sterben“, ein Dyphemismus ist „Köter“ statt „Hund“. Auch Archaismen können ein gutes Stilmittel sein. Damit sind veraltete Wörter gemeint. Statt „Onkel“ schreibst du dann „Oheim“ oder statt „golden“ verwendest du „gülden“. Je nach Thema sind auch Vulgarismen denkbar: Zum Beispiel „Schlampe“ statt „Prostituierte“.

Rhetorik

Die rhetorischen Stilmittel kommen aus der Antike. Daher sind die Namen meist aus dem Griechischen oder Lateinischen. Damals wurden sie meist für Reden eingesetzt, im Laufe der Zeit verwendeten sie viele Dichter in ihren Werken. Es gibt sehr viele Stilmittel, manche eignen sich auch nur für Dichtungen oder Lyrik. Hier findest du eine Liste von Stilfiguren, die dir bei einem Essay weiterhelfen können:

Adynaton
Bei einem Adynaton sagst du, dass etwas unter keinen Umständen geschehen wird. Das bringst du aber nur indirekt zum Ausdruck, die Wörter „niemals, auf keinen Fall“ werden dabei umschreiben. Ein Beispiel: „Eher lernen Fische laufen, als dass die Jamaika-Koalition zustande kommt.“

Alliteration
Du kennst es bestimmt schon aus der Werbung: „Kleidung clever kaufen“ oder „Spiel, Spaß, Spannung, Schokolade“. Bei einer Alliteration haben zwei oder mehrere aufeinanderfolgende Wörter den gleichen Anfangslaut. Alliterationen gibt es auch innerhalb eines Wortes: „blitzeblank“ oder „klitzeklein“. Solche prägnanten Ausdrücke bleiben im Kopf des Lesers hängen.

Anapher
Um wichtige Stellen zu betonen, kannst du in zwei oder mehreren aufeinanderfolgenden Sätzen das gleiche Wort am Satzanfang nutzen: „Ich halte das für falsch. Ich finde, wir sollten anders denken.“ Das nennt man Anapher.

Ellipse
Ellipsen nutzt du wahrscheinlich sehr oft in der Umgangssprache: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist eine Verkürzung und prägt sich daher schneller ein. Eigentlich heißt der Satz „Erst kommt die Arbeit, dann kommt das Vergnügen.“ Die einzige Regel bei der Verwendung von Ellipsen ist, dass man sie aus dem sprachlichen Kontext rekonstruieren kann.

Hendiadyoin
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „eins durch zwei“. Soll heißen, dass du um einen Sachverhalt zu schildern zwei Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung nutzt. Das verstärkt die Gesamtaussage. Ein Beispiel: „dick und fett“ statt „sehr dick.“

Hyperbel
Bei einer Hyperbel übertreibst du, um dein Argument zu bekräftigen. „Start-Ups gibt es wie Sand am Meer.“

Ironie und Sarkasmus
Um deinem Essay Witz zu verleihen, kannst du dich an diesen Stilmitteln bedienen. Jedoch sollte wirklich deutlich sein, dass es Ironie ist. Das Problem ist nämlich, dass immer weniger Menschen Ironie verstehen. Grundsätzlich bedeutet Ironie das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint. Wenn jemand zum Beispiel eine Kündigung erhält, ist eine ironische Reaktion darauf: „Das hast du toll gemacht!“

Klimax und Antiklimax
„Veni, vidi, vici“ – der Ausspruch von Caesar ist wohl die bekannteste Klimax. Bei einer Klimax steigerst du die Aussagen stufenartig. Damit bestärkst du dein Argument. Eine Antiklimax ist das Gegenteil und ist zum Beispiel: „Das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr schlecht!“ aus Woyzeck von Georg Büchner.

Litotes
Im Alltag verwendest du wahrscheinlich auch mal Litotes. Konkret ist das die doppelte Verneinung: „Ich verdiene nicht wenig.“ Damit machst du deutlich, dass du eher zu den Besserverdienenden gehörst.

Metapher
Die Metapher ist wohl eines der bekanntesten rhetorischen Stilmittel: Nutzt du sie, kreierst du ein Bild im Kopf des Lesers. Zum Beispiel: „Baumkrone“ statt „Spitze des Baumes“ oder „ein Herz aus Gold“. Eine Metapher kann auch wie ein Vergleich sind, nur ohne das Wort „wie“. Ein Beispiel: „Herkules, der Löwe“ statt „Herkules ist so stark wie ein Löwe“.

Neologismus
Neologismus bedeutet, ein neues Wort zu kreieren. Es kann entweder vollkommen neu entstehen („sitt“), ein altes Wort kann eine neue Bedeutung erhalten („Maus“ als Computermaus) oder Kombinationen aus Wörtern können einen neuen Ausdruck ergeben („Eierschalensollbruchstellenverursacher“).

Oxymoron
Bei einem Oxymoron werden zwei Wörter miteinander verwendet, die eine gegensätzliche Bedeutungen haben. „Hassliebe“ oder „beredtes Schweigen.“

Parallelismus
Um auf eine wichtige Passage aufmerksam zu machen, kannst du mehrere Sätze oder Satzteile, die aufeinanderfolgen, parallel aufbauen. „Er ist reich, sie ist arm.“

Parenthese
Mit einer Parenthese kannst du Wörter oder Satzteile einschieben, um deine Aussage zusätzlich zu verstärken. „Die Politiker sagen, – es ist keine Überraschung – dass die Arbeitslosigkeit steigt.

Pars pro toto
Der Ausdruck kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt: Ein Teil steht für das Ganze. In den Nachrichten verwenden Journalisten oft Pars pro toto, indem sie „Berlin“ sagen, aber „Deutschland“ meinen.

Personifikation
Durch dieses Stilmittel entstehen dem Leser Bilder im Kopf. Bei einer Personifikation werden Tieren, Gegenständen oder anderen Dingen menschliche Eigenschaften zugeschrieben. „Der Wind spielt mit den Blättern“ oder „Die Sonne lacht.“

Pleonasmus
Um einen Ausdruck zu verstärken, kannst du einen Pleonasmus nutzen. Dabei verwendest du Wörter, die eine gleiche Bedeutung haben im gleichen Zusammenhang. „Der schwarze Rappe“ oder „die alten Senioren“. Jeder weiß, dass Rappen schwarz und Senioren alt sind.

Rhetorische Frage
Neben der Metapher gehört auch die rhetorische Frage zu den Klassikern unter den Stilmitteln. Du stellt einfach eine Frage, auf die keiner eine Antwort erwartet. Damit kannst du auf eine Offensichtlichkeit hinweisen oder den Leser zum Nachdenken anregen. „Wussten Sie, dass die Arbeitslosigkeit gestiegen ist?“ oder „Warum leben wir nicht umweltbewusster?“

Vergleich
Zuletzt ein Stilmittel, dass du im Alltag verwendest. Ein Vergleich bedeutet, Dinge miteinander vergleichen, um deine Aussage zu verdeutlichen oder auch ein Bild entstehen zu lassen: „Andreas läuft so schnell wie ein Gepard“ oder „Die Substanz ist so flüssig wie Wasser.“

Vorarbeit

Generell ist es vernünftig, so früh wie möglich mit dem Schreiben des Essays anzufangen. Gerade am Ende ist es sinnvoll, den Essay noch ein paar Tage liegen zu lassen und diesen später mit etwas Abstand zu korrigieren. Deswegen solltest du dir über den Zeithorizont Gedanken machen. Du solltest ausreichend Zeit für Themenfindung, Literaturrecherche, Gliederung, Schreiben und Korrektur einplanen. Hast du beispielweise 30 Tage Zeit, kannst du dir eine Art Diagramm erstellen, aus dem hervorgeht, für welchen Block du wieviel Zeit einplanst. Auch wenn es manchmal noch unendlich viel zu Recherchieren oder Lesen gibt, solltest du pro Kategorie einen maximalen Zeitaufwand bestimmen. Das kann dir helfen, dich selbst zu kontrollieren und darauf zu achten, dass du im Zeitplan bleibst.

Zunächst kommt es darauf an, ob das Thema für den Essay vorgegeben ist oder ob du eines frei auswählen kannst. Ist Letzteres der Fall, solltest du dir zunächst überlegen, was dich interessiert und bewegt. Stelle dir Fragen wie: Was fällt mir momentan auf? Was bewegt mich? Was schockiert mich? Was sollte sich ändern? Die Suche nach dem Thema kann einige Zeit dauern, jedoch solltest du wie beschrieben ein Zeitlimit für die Recherche festlegen.

Nachdem das Thema feststeht, beginnt die Literaturrecherche. Ist das Thema vorgegeben, gibt es meist auch Literatur, die du lesen musst. Dir ist es selbst überlassen, darüber hinaus noch weitere Literatur zur Seite zu ziehen. Falls keine Literatur vorgegeben ist, solltest du diese recherchieren und selbstredend lesen. Beim Umfang der Literaturrecherche gehen die Meinungen auseinander: Manche empfehlen, eher wenig Literatur zu lesen, da man seine eigene Meinung und nicht die der Anderen wiedergeben sollte. Durch wenig Literatur gibt es demnach mehr Raum für Inspiration. Wer empfiehlt, viel zu lesen, der führt an, dass man sich umfassendes Wissen über das Thema aneignen sollte und somit dann auch besser darüberschreiben kann. Du solltest selbst entscheiden, welche Methode dir besser liegt. Die Literatur zum Essay findest du meistens in einer Bibliothek oder online.

Markierungen und Notizen erleichtern das Essay-Schreiben

Beim Lesen solltest du wichtige Stellen im Text markieren und dir die Kerngedanken stichpunktartig notieren. Es kann auch helfen, die Notizen in einem Diagramm zu ordnen, beispielsweise in einer Mindmap. Somit strukturierst du deine Gedanken. Nach dem Schreiben solltest du dir selbst Gedanken zum Thema und zur Literatur machen. Meist ist es hilfreich, diese ungeordnet aufzuschreiben, um sich beim Denken nicht zu limitieren. Wenn du deine Gedanken aufgeschrieben hast, kannst du sie auch in eine Mindmap einordnen, um allem eine Struktur zu verleihen.

Nach der Lektüre und der Mindmap steht das Formulieren einer These an. Die These muss kurz und prägnant sein. Wenn du einen Essay über ein komplexes Thema an der Uni schreibst, muss auch dann die These für Außenstehende verständlich sein. Es ist vergleichbar mit einem „Küchenzuruf.“ Also den Kerngedanken, den du jemandem in einem Satz zurufen kannst. Es sollte auch möglich sein, die These zu widerlegen. Eine These ist jedoch keine allgemein bekannte Tatsache wie „der Himmel ist blau“ sein. Es ist wichtig, dass du dir die These selbst überlegt hast. Sie kann auch eine strittige Fragestellung, ein Problem oder ein Phänomen sein.

Anhand der Mindmap notierst du dir dann stichwortartig deine Argumente für oder gegen die These. Zur Erörterung kannst du deine eigene Meinung verwenden, jedoch musst du nachvollziehbar argumentieren. Du kannst auch die Standpunkte aus der Literatur wiedergeben, deine eigene Meinung sollte jedoch im Vordergrund stehen. Notiere dir auch Beispiele, die du zur Verdeutlichung anführen möchtest.

Stehen These und Argumente, solltest du eine Gliederung entwerfen. Überlege dir, wie du in das Thema einsteigen möchtest und ordne deine Argumente sinnvoll. Grundsätzlich ist es hilfreich, zuerst den Hauptteil zu schreiben und danach Einleitung und Ende. Zuletzt solltest du die Überschrift formulieren.

Aufbau

Essay schreiben: Flexibilität bei der Struktur

Für den Essay gibt es nur einen groben Aufbau, die Feinheiten musst du anhand deines Themas selbst entscheiden. Zunächst braucht dein Essay einen Titel, beziehungsweise eine Überschrift. Der Titel sollte verständlich und aussagekräftig sein sowie Lust auf das Lesen des Essays machen. In der Regel verzichtet man ein Inhaltsverzeichnis, Anmerkungen und Fußnoten.

Zu Beginn folgt selbstredend die Einleitung, die im Vergleich zum Hauptteil kurz ausfallen sollte. Achte darauf, die Übergänge zwischen Einleitung, Hauptteil und Schluss sowie zwischen den Absätzen fließend zu gestalten. Nach der Einleitung folgt der Hauptteil. Es ist nicht üblich, im Essay mit Unterüberschriften zu arbeiten. Daher solltest du thematisch sinnvolle Absätze machen. Äußere pro Absatz nur einen Hauptgedanken. Dieser sollte auch klar erkennbar sein, am besten gehst du zu Beginn des Absatzes darauf ein. In der Regel sollte ein Absatz nicht mehr als eine halbe Seite beanspruchen. Wichtig ist auch, die These nicht aus den Augen zu verlieren. Für die Argumente solltest du Beispiele nennen und deine Meinung sinnvoll miteinbeziehen.

Nachdem alle Argumente genannt sind, folgt der Schlussteil. Dieser ist meistens etwas länger als die Einleitung, jedoch solltest du dich auch hier kurzfassen. Ein Literaturverzeichnis ist am Ende des Essays ist vor allem an Unis üblich, jedoch nicht immer erforderlich.

Einleitung

Bei der Einleitung solltest du möglichst im ersten Satz deine eigene Meinung darlegen. Die These musst du zu Beginn nennen. Du kannst auch mit der Tür ins Haus fallen und eine eigene Erfahrung zur These kurz schildern. Gehe in der Einleitung nicht auf die Argumentation ein. Es ist wichtig, dass du dem Leser Lust machst, weiterzulesen.

Hauptteil

Anhand der Gliederung formulierst du im Hauptteil deine Argumente aus. Nenne Argumente für oder gegen deine These. Du solltest nicht nur deine eigene Meinung kundtun, sondern diese auch ausführlich und logisch begründen. Du kannst auch die gelesene Literatur, Beispiele aus deinem Leben oder Gedankenexperimente heranziehen. Falls dir keine Argumente mehr für deine These einfallen, hilft es zu überlegen, welche Argumente die Gegenseite anbringen könnte und was du wiederum darauf erwidern würdest.

Entscheidend ist die Reihenfolge der Argumente. Setze dein stärkstes Argument bewusst ein und verstärke schwächere Argumente mit Stilmitteln. Sonst kann dein Essay schnell langweilig werden. Falls du neue Begriffe einführst, erkläre diese unbedingt, damit jeder weiß, was du meinst. Überlege genau, welche Argumente überzeugend sind und welche eher weniger. Verwende lieber wenige starke Argumente als viele schwache Punkte.

Du solltest vermeiden, nur die Literatur wiederzugeben, Problemen zur These zu schildern oder das Thema zu erzählen. Zwar ist auch ein Hintergrund für den Leser wichtig, doch deine Argumentation ist das wichtigste am Essay. Verliere die Hauptlinien der Argumentation nicht aus den Augen. Ist deine These nicht deutlich genug formuliert, wird es auch mit der Erörterung schwer.

Schlussteil

Im Schlussteil solltest du unbedingt noch einmal auf die Fragestellung eingehen. Nenne keine neuen Argumente, wiederhole maximal das Hauptargument. Im Schluss kannst du noch einen Überblick über die Forschungslage geben und auf die Gültigkeit deiner These eingehen. Am Ende solltest du ein Resümee ziehen und einen Ausblick geben. Manchmal bietet es sich auch an, an andere Themenbereiche kurz anzuknüpfen.

Nachbereitung

Gerade bei längeren Texten ist es nie falsch, sie einige Tage nach dem Verfassen liegen zu lassen und sie mit Abstand noch einmal durchzulesen. Plane dafür auf jeden Fall genug Zeit ein. Formal gesehen solltest du beim Korrigieren darauf achten, Rechtschreib- sowie Grammatikfehler zu finden. Es hilft dabei auch, den Text sich selbst laut vorzulesen. Dabei siehst du auch, ob der Lesefluss stimmt. Kommst du öfters in Stocken, solltest du die Übergänge überarbeiten. Falls du zitierst, solltest du überprüfen, ob du die Zitate entsprechend gekennzeichnet hast.

Inhaltlich solltest du noch einmal darüber nachdenken, ob die formulierten Argumente logisch aufgebaut und verständlich ausformuliert sind. Gegebenenfalls kannst du noch Stilmittel einbauen, um die Wirkung zu verstärken. Findest du Argumente zu schwach, sortiere sie aus. Die angebrachten Argumente sollten wirklich überzeugend sein. Überlege auch, ob die Argumente richtig sortiert sind, eine andere Reihenfolge kann viel ausmachen.

Empfehlenswert ist auf jeden Fall, den Essay von einem Dritten lesen zu lassen. Zu viele Meinungen können verwirrend sein. Es ist aber sinnvoll, wenn ein Mitstudent und ein Fachfremder den Essay lesen. Die Probeleser sollen danach bewerten, ob die Argumente verständlich formuliert wurden. Wenn du dir beim Einsatz mit Stilmitteln unsicher bist, kannst du auch hier deine Probeleser fragen, wie ihr Eindruck war, ob die Stilmittel wie gewünscht Wirkung zeigen oder ob du einige herausnehmen solltest. Anschließend solltest du den Text nochmal anhand der Kritik überarbeiten.

Nachdem du den Essay abgegeben hast, erhältst du an der Uni meistens eine Bewertung mit einer Begründung. Fehlt die Begründung oder ein ausführliches Feedback, bietet es sich an, beim Korrektor nachzufragen. Falls du später noch einmal einen Essay schreiben musst, weißt du dann, an welchen Punkten du noch arbeiten musst. Zwar ist manches auch Ansichtssache, aber es ist hilfreich zu wissen, ob man an manchen Stellen unverständlich argumentiert hat oder auch mehr Stilmittel verwenden könnte. Übung macht den Meister.

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Der Essay - Beispiele, Merkmale, Aufbau

Essay  
Beispiel f�r einen Essay
PDF-Arbeitsblatt zum Essay


Der Essay

Im Essay untersucht der Autor gesellschaftliche Ph�nomene (soziale Medien, Rechtsradikalismus ...) wissenschaftliche Forschung (Sinn und Unsinn der Gentechnik ...) und Entwicklungen in der Kultur (Entwicklung der Pop-Musik in der Sackgasse?). Der Autor setzt sich aus eigener Sicht intensiv mit dem jeweiligen Thema auseinander. Wissenschaft und Logik stehen dabei nicht im Vordergrund.

Dies erm�glicht die Betrachtung eines Themas aus verschiedensten Perspektiven. So kann das Thema "Leistungsbewertung in der Schule" nicht nur aus Sicht von Bewertungskriterien betrachtet werden, es k�nnten hier auch Meinungen und Aussagen von Sch�lern, Eltern, Psychologen und Wirtschaftsmanagern in die �berlegungen einbezogen werden.

Essays w�gen oft das F�r und Wider eines Thema gegeneinander ab und stellen auch, manchmal auf am�sante Art und Weise, rhetorische Fragen.

Unterschied zurAnalyse:

Im Essay ist der Autor nicht an wissenschaftliche Vorgehensweisen gebunden.

Beispiel f�r einen Essay

Alexander von Humboldt.

Als die Zusammenstellung von Briefen und Gespr�chen, welche zwischen Humboldt und Varnhagen gewechselt worden sind, ver�ffentlicht wurde, war ihr Eindruck ein tiefgehender. Das Publikum verschlang die Bl�tter die ihm hier geboten wurden und zwar ein Publikum aus allen St�nden.

Dar�ber herrschte kein Zweifel, dass mit den so aller Welt zug�nglich gemachten Vertraulichkeiten (denn Geheimnisse waren es nicht) ein Missbrauch getrieben sei, den nichts entschuldigen k�nnte. Wir sind durch die Zeitungen daran gew�hnt, Meinungen, Charaktere und sogar Privatverh�ltnisse r�cksichtslos �ffentlich behandelt zu sehen. Allein dergleichen beleidigt kaum mehr. Jedermann erkennt den Einfluss der momentanen Erregung. Die sich ber�hrt f�hlen, antworten entweder oder ignorieren den Angriff. Alle Welt aber vergisst bald, was so gesagt worden ist, und niemand m�chte darum auf Pressefreiheit Verzicht leisten wollen. Wird die Sache zu arg, so kann man sich an die Gerichte wenden. Was aber soll geschehen, wenn die einschneidenden �u�erungen eines verstorbenen Staatsmannes, die im geheimsten Gespr�ch einem andern Staatsmanne gegen�ber getan worden sind, sich pl�tzlich aufgezeichnet und gedruckt finden?

Denken wir uns eine in bester Eintracht lebende ausgebreitete Familie. Verstimmungen welche sich in gereizten Worten Luft machen, k�nnen auch in ihr nicht ausbleiben. Sie liegen in der Natur der Menschen und entstehen �berall. Mit der Erregung aber schwindet auch die Erinnerung daran und trotz der b�sesten Reden, die hier oder dort vielleicht gefallen sind, bleibt die allgemeine Einigkeit und das Vertrauen das alte. Nun pl�tzlich aber entdeckte sich, nehmen wir an, es sei eine unsichtbare Hand immer dann t�tig gewesen, wenn gerade am empfindlichsten dieser oder jener sich �ber Bruder, Schwester, sogar �ber Eltern oder Kinder ge�u�ert und all diese Dinge f�nden wir aufgezeichnet und gedruckt vor. Es w�re nicht m�glich, ein st�rkeres Gift zu ersinnen, um mit einem Schlage den geschlossensten Kreis zu sprengen. Immer wieder w�rde jeder neu lesen, in unvertilgbarer Schrift, was der andere �ber ihn gesagt, und das Vertrauen fortan vernichtet sein.

Etwas �hnliches geschah mit der Herausgabe der Briefe und Gespr�che Humboldts. Varnhagen war zuletzt noch einer der wenigen gewesen, die die alten Zeiten durchlebten. Zu ihm kam Humboldt dann und wann und �berlie� sich dem freien Ausdrucke dessen, was ihn �rgerte, betr�bte und belastete. Was in seinen Briefen steht, ist in geringerem Ma�e verf�nglich, seine m�ndlichen �u�erungen aber, die wenn er wieder gegangen war von Varnhagen notiert wurden, enthalten das f�r viele unertr�glich Beleidigende.

Der Unterschied zwischen geschriebenen Gedanken und m�ndlicher Rede ist der, dass man dort stets etwas weniger zu sagen pflegt als man denkt, hier aber leicht etwas mehr sagt als man gedacht hat. Dieser Unterschied ist so stark, dass man sich beim Schreiben immer auf das berufen darf, was man, abgesehen von den einzelnen Worten, im Ganzen sagen wollte, was zwischen den Zeilen steht. Wer etwas schreibt, denkt nach und fordert Nachdenken, wer etwas spricht, empfindet und fordert Empfindung, deshalb braucht er st�rkere Akzente. Ich kann einem Manne schreiben, er gefalle mir nicht, in einer Art dass jeder aus dem Satze herausliest, ich h�tte ihn einen elenden Kerl nennen wollen; dagegen wenn ich m�ndlich die sch�rfsten Ausdr�cke gebrauche, bedeuten sie immer nur, dass ich in einem bestimmten Momente aus einer bestimmten Ursache mich zu diesem oder jenem Worte hinrei�en lie�, das, je durchdringender es klingt, nur die gesteigerte Leidenschaft, die mich selber beherrschte, zum Ausdruck brachte. Solche �u�erungen deshalb sind wahr und unwahr zu gleicher Zeit, und derjenige, der ein gesprochenes Wort hinter dem R�cken dessen, von dem es ausgeht, niederschreibt und in die Welt schickt, begeht ein Unrecht.

Wenn wir also Humboldts Briefe ohne seinen Auftrag herausgegeben, seine Worte ohne sein Wissen aufgezeichnet und gleichfalls gedruckt sehen, so f�llt diese Handlung dem allein zur Last, von dem sie ausgeht, und zwar bedarf es hierzu keines besonderen Verdikts (Urteilsspruch), sondern die Sache richtet sich selbst. Es gibt ein jedermann bekanntes Gesetz des Erlaubten und des Nichterlaubten. Wer dagegen fehlt, empf�ngt dadurch schon, dass er fehlt, seine Bestrafung und es findet keine Appellation (Anfechtung) statt, denn es existiert weder Kl�ger noch Gerichtshof. Kl�ger ist die vollbrachte Tat selbst und Gerichtshof das Gef�hl des Publikums.

Jetzt, wo das Buch den Reiz der Neuheit verloren hat, ist es wohl erlaubt, diese Bemerkungen �ber sein Erscheinen aufzuzeichnen. Die Heftigkeit des ersten Urteils hat sich gemildert. Man ist sich bewusst geworden, dass die Angriffe, die es auf noch unter uns weilende Pers�nlichkeiten enth�lt, von diesen abgeglitten sind, als w�ren sie nicht geschehen, eine Erfahrung, die noch �berall gemacht wurde, wo gegen lebende M�nner auch die sch�rfsten und sogar die gerechtesten Dinge gesagt worden sind. Es ist, als k�nnte an den Menschen, so lange sie da sind, kein Urteil anderer haften bleiben, es wird wie Kleider abgetragen und verschwindet. Statt dessen tritt Humboldts Charakter, wie er sich in den Briefen und Gespr�chen zeigt, immer mehr als der eigentliche Inhalt heraus. Er ist tot. �ber ihn beginnt sich ein bleibendes Urteil zu bilden und die Frage muss beantwortet werden, was f�r die Anschauung seines innersten Wesens hier zu gewinnen sei. ...

Quelle: Neue Essays �ber Kunst und Literatur, Hermann Grimm, Berlin 1865.
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Der Essay

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Bericht - Reportage
Bildinterpretation
Gegenstandsbeschreibung
Gedichte interpretieren
Gedichte 5 - 6
Inhaltsangabe
Nacherz�hlung
Personenbeschreibung
Textinterpretation
Vorgangsbeschreibung
Textgattungen
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Essay

Essay: Beispiele, Aufbau und Merkmale. Der Essay f�r die Klasse 7, Klasse 8, Klasse 9 und Klasse 10. Subjekt, Pr�dikat, Dativobjekt, Akkusativobjekt und alle Satzglieder. Deutsch Aktiv und Passiv �ben, Fabeln und Balladen.


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